'Die Leute haben kein Brot? Sollen sie doch Kuchen essen!'

[Ursula von der Leyen - M.-U. K.---[dah]

Was ist IGEL?


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Interessengemeinschaft der Erwerbslosen München
Von jeher gleicht Bayern einem kirchlich-religiösen Brachland, wenn es um die Selbsthilfe von Erwerbslosen geht. Deshalb wurde im Januar 2012 in der 'Weltstadt mit Herz' die Interessengemeinschaft der Erwerbslosen München und Umgebung [IGEL] gegründet.
Wir suchen den gemeinsamen Austausch über den Umgang mit Sozialbehörden, gegenseitige Beratung bei Anträgen und Bescheiden und begleiten uns gegenseitig als Beistand zu Jobcenter-Terminen.
Wir bieten auch die Vermittlung von rechtlicher Beratung.

Formelles:
Um der Initiative eine juristische Person an die Seite zu stellen, sind wir im April 2013 eingetragener Verein geworden, der sich - obgleich dem Volonté générale unterworfen - notgedrungen eine mit dem Vereinsrecht korrespondierende Satzung geben musste. Im Jahr 2016 haben sich Initiative und Verein wieder getrennt. Der Verein befindet sich in der Auflösung und Abwicklung, die IGEL-Initiative und der Stammtisch bleiben seit Januar 2012 bestehen.

Warum ist eine Interessengemeinschaft für Erwerbslose notwendig?

Gerade in München stoßen die wenigen Erwerbslosen, die es wagen, sich in Gesellschaft als Hartz-IV Bezieher_in zu offenbaren, auf Unverständnis oder sogar offene Ablehnung: 'Wie kann man in einer so reichen Stadt arbeitslos sein? Die will doch nur nicht arbeiten und ruht sich auf Staatskosten aus!" - Das sind die versteckt oder auch offen dargebotenen Vorurteile, auf die man in einer ohnehin verzweifelten Situation stößt. Viele bleiben stumm und versuchen meist hilflos, alleine mit ihrer Situation fertig zu werden.

Hinzu kommt der Druck durch das Jobcenter sowohl bei der Antragstellung als auch während des Leistungsbezuges: Unmögliche Nachweise werden verlangt, Leistungen werden willkürlich gekürzt oder man wird wegen kleinster sogenannter 'Vergehen' sanktioniert. Das führt oft zu einer mehr als 30prozentigen Leistungskürzung unter das ohnehin zu gering veranschlagte Existenzminimum; bei Jugendlichen unter 25 sogar um 100% beim ersten Vergehen. Die Folge ist ein tagtäglicher Überlebenskampf in einer zu teuren Stadt, für den die sogenannte Normalwelt aus Unwissen heraus keinerlei Verständnis hat.

IGEL möchte dieser Stigmatisierung von Erwerbslosen entgegenwirken und über die Selbsthilfearbeit hinaus gesellschaftlich über die Situation und die Vorgehensweisen der Sozialbehörden aufklären. Gerade in München gilt es, das Bild des "faulenzenden und stinkenden Arbeitslosen" aufzulösen. Tatsächlich ist der Bezug von Hartz-IV- Leistungen ohne enormen Verwaltungsaufwand, fundiertes sozialrechtliches Wissen und tägliche Pflichterfüllungen kaum möglich. Ein Kraftakt, den nur wenige, gut Ausgebildete alleine stemmen können. Aber gemeinsam in einer Gruppe fällt vieles leichter.